Mein Weg zum Selbstvertrauen – Interview von Jeannette Mokosch

Mein Weg zum Selbstvertrauen – Interview von Jeannette Mokosch

Hallo Team Wunderbar,

vor einiger Zeit habe ich über das Internet Jeannette Mokosch kennengelernt, von Anfang an völlig fasziniert von ihrer zarten Kalligrafie. Erst im Laufe unseres Kontaktes lernte ich dann noch ganz andere Seiten an ihr zu schätzen und hatte schnell das Gefühl, dass wir in vielen Bereichen sehr ähnlich denken. Denn wir sind beide sehr positive Menschen, die kein Hehl aus ihren Emotionen machen.

Außerdem brennen wir wirklich für das, was wir tun und geben gerne anderen Hoffnungen. Eine Eigenschaft, die ich sehr an ihr schätze ist übrigens ihr „Teammodus“. Statt sich mit anderen Kreativen zu bekriegen und sich gegenseitig um die Follower zu beneiden, sucht sie den Austausch – denn nur zusammen sind wir stark. Wenn ihr was von dieser Positivität haben wollt, schaut gerne mal bei ihrem Blog vorbei. Auch auf Instagram sorgt sie für eine tägliche Motivationsstärkung.

Als Jeannette mich nach einem Interview für ihren Newsletter fragte, habe ich mich sehr gefreut. Es hat sehr viel Spaß gemacht die Fragen zu beantworten und meinen Weg zu mehr Selbstvertrauen zu teilen. Es wäre das Schönste, wenn es jemanden wirklich hilft. 🙂

 

Jeannette: So viele Frauen fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut und scheuen Portraitaufnahmen oder den Blick in die Kamera, sei es bei Instagram, auf den Homepages oder einfach auch bei Familienaufnahmen. Es wird sich so gern versteckt aus Unsicherheit, Scham oder Gefühlen der Minderwertigkeit. An was denkst Du, wenn Du vor einer Kamera stehst und was würdest Du meinen Leserinnen gerne bei einem Shooting ins Ohr flüstern?

Früher habe ich es selbst gescheut, fotografiert zu werden. Egal ob Schulfoto, Familienbild, … ich habe mich einfach so unwohl gefühlt. Zu der Zeit war ich mit mir und meinem Äußeren noch nicht im Reinen, sodass ich unbewusst direkt an das furchtbare Ergebnis denken musste. Ein verkrampftes Lächeln war die Folge und leider ganz viel Unwohlsein. Doch paradoxerweise habe ich die Fotografie später als eine Therapie für mich entdeckt. Denn niemand muss auf einem Bild lächeln und es ist völlig normal, dass man bei einem Schnappschuss auf einer Feier auch mal ungünstig steht oder guckt. Das sagt überhaupt nichts darüber aus, wie schön Du bist. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass man von jedem Menschen großartige Bilder machen kann. Doch da spielen so viele Faktoren mit rein – insbesondere die Atmosphäre.

Meine schönsten Bilder entstehen mit Fotografen, die sich Zeit nehmen und mich vorher ein bisschen kennenlernen. Denn jeder Mensch ist anders und muss auch anders fotografiert werden. Wenn du dich bisher auf Fotos also nicht so leiden konntest, liegt das in keiner Weise daran, dass du hässlich oder unfotogen bist. Es haben nur die äußeren Umstände nicht gepasst. Meine Empfehlung ist, dass Du mit jemandem Fotos machst, den du gut kennst. Kommuniziere offen wie du gerne fotografiert werden würdest und sei einfach du selbst. Ich habe die ersten vier Jahre, die ich vor der Kamera stand beispielsweise nie vor der Kamera gelächelt. Mir war in dem Moment nicht danach, obwohl ich nicht traurig war. Doch mir haben diese einfühlsamen, stimmungsvollen Bilder besser gefallen. Mittlerweile lächel ich sehr gerne – ja strahle schon richtig. Immer so, wie es sich gerade richtig anfühlt. Horche also in dich hinein, wie du heute drauf bist und nimm den Druck raus. Selbst wenn es den Tag keine perfekten Bilder werden, bist du trotzdem nicht hässlich. Im Gegenteil: Du bist wunderbar!

 

Du bist eine mutige, starke Persönlichkeit, die es gelernt hat, ein großer Segen für andere zu sein. Deine Eltern haben wohl viel richtig gemacht. Welchen Rat kannst Du Müttern mitgeben, welche unsichere Töchter besitzen, die womöglich stark mit Ihrem Äußeren kämpfen?

Zum Glück habe ich wunderbare Eltern, die mir immer das Gefühl gegeben haben, geliebt zu werden. Liebe ist so mächtig und wundervoll. Wenn Dein Kind mit seinem Äußeren hadert, wird es Dir leider nur bedingt glauben, wenn Du ihm versicherst, wie schön es ist. Das kenne ich noch zu gut aus meiner Erfahrung. Ich habe immer gedacht, dass meine Eltern das ja sagen müssen. Natürlich hat es dennoch gutgetan, weshalb ich dir auf jeden Fall empfehle es regelmäßig auszusprechen. Doch für mich persönlich war es viel essenzieller, dass sie mich bedingungslos geliebt und akzeptiert haben. Damit meine ich, dass ich immer Zuspruch bekommen habe, wenn ich gerade mal verzweifelt war. In den anderen Zeiten wurde es aber gar nicht besonders hervorgehoben. Sie sind einfach völlig normal mit mir umgegangen, sodass ich in ihrer Gegenwart vergessen konnte, dass ich überhaupt „anders aussehe“.

 

Bist Du manchmal wütend auf Gott, dass nicht alles easy war bei Deiner Geburt? Wie hast Du es geschafft, Dich mit dem Leben zu versöhnen? 

Es gab eine Phase, da habe ich mich das schon gefragt. Gerade weil ich eine wunderschöne Schwester habe, die keine Gesichtsspalte hat. Da kam früher manchmal ein bisschen Neid auf. Doch schon lange bevor ich gelernt habe, mich auch schön zu finden, habe ich Frieden damit geschlossen. Mir ist bewusst geworden, dass es immer schlimmer sein kann. Ich hätte einfach in einem anderen Jahrhundert geboren werden können, dann hätte ich vermutlich nicht überlebt. Oder in der heutigen Zeit eine Krankheit, die mich gesundheitlich einschränkt. Seit einiger Zeit bin ich sogar dankbar, dass ich genau so aussehe. Denn in den letzten Jahren haben sich meine Wertvorstellungen so sehr gewandelt. Ich bin wirklich dankbar für die kleinen Dinge im Leben und freue mich über all die spannenden Shootings und Menschen, die ich dadurch kennenlernen konnte. Auch der Gedanke anderen zu helfen, gibt mir unendlich viel Kraft.

 

Du gehst mit wachen Augen durch Dein Leben und beobachtest gerne, wie sich Menschen verhalten, das zeigt auch Deine aktuelle Challenge auf Instagram #teamwunderbar. Kannst Du Dich an eine Situation erinnern, wo Du besonders von einer Person wertgeschätzt wurdest und die Dich hat aufblühen lassen?

Es gab einige Situationen, in denen mich das positive Feedback anderer total aufgebaut hat, weshalb ich lange über die Frage nachgedacht habe. Doch oft war es nur ein kurzes Lob, meist auf Noten oder eine andere Leistung bezogen. Wobei ich da unglaublich spannend finde, was sowas ausmachen kann. Ich war zum Beispiel in der fünften Klasse davon überzeugt, dass ich schlecht in Physik bin und mich mein Lehrer nicht mag. Meine Mutter kam dann vom Elternsprechtag und hat erzählt, wie begeistert der Physiklehrer von mir sei. Seitdem bin ich jeden Tag gerne zum Unterricht gegangen und tatsächlich richtig aufgeblüht.

Doch wer mir immer ein ganz besonderes Gefühl von Unterstützung gegeben hat, waren die Nachbarn meiner Eltern. Uns trennen zwar etliche Jahre, doch sie haben mir immer das Gefühl gegeben, dass sie mich wertschätzen. Deshalb haben wir auch nach wie vor Kontakt, obwohl sie jetzt in Berlin leben. Das ist wirklich eine Freundschaft, die Generationen und Entfernungen übersteht.

 

Wenn ich ganz ganz tief in Deine Augen schaue auf Deinen Bildern, bekomme ich Gänsehaut. Du hast da etwas, das Du sprichst, obwohl Du ja gar nichts sagst… Was denkst Du, wenn Du in die Kamera schaust? Gibt etwas, dass Dich so strahlen lässt? Was ist Dein Geheimnis?

Erst mal vielen Dank, deine Aussage hat wiederum mir Gänsehaut gemacht. Was du meinst, ist bestimmt diese tiefe, innere Zufriedenheit. Ich habe mittlerweile so ein Urvertrauen in das Leben und dass sich alles am Ende zum Positiven entwickelt, auch wenn es stellenweise nicht so läuft. Das Leben hat es so gut mit mir gemeint: Eine liebevolle Familie, großartige Freunde, ein Dach über dem Kopf, meist Kaffee in der Tasse … was könnte ich denn da mehr wollen?

Ich hoffe das Interview war interessant für euch. Teilt mir gerne eure Gedanken dazu mit.

Ganz herzliche Grüße

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