Die Kraft der Wertschätzung

Die Kraft der Wertschätzung

die_Kraft_der_Wertschaetzung

In der heutigen Folge besprechen wir, wie du dich unabhängiger von der Anerkennung anderer machst, wie du mit Menschen umgehst, die dich abwerten und dir angebrachten Dank vorenthalten und warum Selbstanerkennung die Voraussetzung für soziale Wertschätzung ist.

Dafür habe ich ein Buch gelesen und möchte euch das gerne vorstellen. Es handelt sich um „Die Kraft der Wertschätzung: Sich selbst und anderen positiv begegnen“ von Eva Wlodarek. Sie ist promovierte Psychologin und arbeitet als Psychotherapeutin und Coach.

Wertschätzung als Überlebenshilfe

Schon bei Kindern lässt sich das gut beobachten: Aufrichtige Anerkennung oder Wertschätzung führen zu euphorischen Zuständen. Daran sind unsere körpereigenen Opiate Schuld, wir erleben also einen kleinen Rausch, wenn uns jemand lobt. Viele Kinder richten ihr Handeln deshalb danach aus, wie sie die meiste Anerkennung und Liebe von ihren Eltern bekommen können.

Die Natur hat einige dieser Wirkmechanismen ausgeklügelt, um unser Überleben in den Anfängen der Menschheit zu sichern. In Folge 20 haben wir beispielsweise über Einsamkeit geredet und herausgefunden, dass wir den Anschluss zur Gruppe brauchen und uns sonst nicht zugehörig und glücklich fühlen, weil das unsere Überlebenschancen in der Steinzeit maximiert hat. Schließlich kann man sich in der Horde besser gegen wilde Tiere verteidigen. Ähnlich ist es mit der Wertschätzung. Dass wir uns nach Verbundenheit und Anerkennung sehnen, ist also ganz tief in uns verwurzelt und lässt sich nicht einfach abschalten.

In einem Bukarester Waisenhaus haben Forscher beobachtet, wie wichtig positive Aufmerksamkeit für uns ist. Babys und Kleinkinder waren dort nur mit dem Nötigsten versorgt worden, sie hatten erfuhren keinerlei Anerkennung oder gar Zuneigung. Diese Kinder lagen in ihrer körperlichen, emotionalen und sprachlichen Entwicklung deutlich hinter gleichaltrigen Kindern zurück, die normal aufgewachsen waren.

Selbst als Erwachsene sind wir nicht frei von dem Wunsch nach Anerkennung. Ein gutes Beispiel ist die wachsende Nutzung von Social Media, wobei sich immer mehr Leute über Likes und Follower definieren. Wird uns diese Wertschätzung vorenthalten, spüren wir die Auswirkungen nicht nur psychisch, sondern auch körperlich. Bei sozialer Isolation werden dieselben Hirnareale aktiviert wie bei körperlichen Schmerzen.

Deshalb fügen wir uns in Gruppen ein und beachten Regeln, was in vielen Situationen gut und richtig ist. Hin und wieder wird das aber ausgenutzt und wir lassen uns von anderen manipulieren.

Der Autor des Buches fragt nach einer Selbsteinschätzung des eigenen Bedürfnisses nach Anerkennung, Dank und Wertschätzung auf einer Skala von 1 bis 10, wobei man nicht lange überlegen soll, sondern intuitiv antworten. Ich gebe dir mal fünf Sekunden, um in dich hineinzuhorchen. Mir schoss direkt eine 7 durch den Kopf, was war dein erster Gedanke Ein hoher Wert ist zunächst genauso gut oder schlecht wie ein niedriger Wert.

Dieses Bedürfnis hängt ganz stark von unseren ersten Lebensjahren ab. Wenn wir dort wenig Zuwendung erfahren haben, wirkt sich das negativ auf unser Selbstwertgefühl auf, was wir häufig verdrängen. Aber dennoch prägt uns das bis ins Erwachsenenalter. Zu viel Zuwendung kann sich allerdings genauso negativ auswirken, weil die Realität dann häufig ein Schock ist.

Wer als Erwachsener mit wenig Anerkennung von außen zurechtkommt, hat meist keine Probleme. Es ist gut, sich nicht zu abhängig von der Meinung anderer zu machen. Höre dazu gerne auch eine meiner meistgehörten Folgen, die Nummer 2. Wenn wir die Bestätigung durch andere brauchen, kann es uns zwar beflügeln, schneller unsere Ziele zu erreichen, doch wir werden auch abhängig von der Zustimmung anderer. Die gute Nachricht: Wir können dieses Bedürfnis bewusst ändern.

Erkenne deinen eigenen Wert

Nimm ein altes Kinderfoto von dir zur Hand, wo du am besten zwischen vier und sechs Jahre alt bist. Versetze dich nun in diese Zeit. Du wirst wahrscheinlich positive und negative Erinnerungen an die Zeit haben, das ist ganz normal. Versuch nun in die schmerzlichen Punkte hineinzuhören, um herauszufinden, was dir damals gefehlt hat und was die Ursache für dein starkes Bedürfnis nach Anerkennung sein könnte.  Erst wenn wir uns der Ursache bewusstwerden, können wir etwas verändern.

Verbunden ist das meist mit einer mangelnden Selbstwertschätzung, die wir durch Bestätigung von außen ausgleichen wollen. Nervenverbindungen in unseren Augen führen direkt zum orbifrontalten Kortex, einer Hirnregion, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Innerhalb von Sekundenbruchteilen können wir so über Spiegelneuronen die Gestik, Mimik, Haltung und Tonlage unseres Gegenübers registrieren und entschlüsseln. So finden andere Menschen schnell heraus, ob wir eine mangelnde Selbstwertschätzung haben und urteilen blitzschnell über uns. Wer sich selbst schlecht bewertet, wird auch von anderen eher negativ eingeschätzt. Um positiv wahrgenommen zu werden, müssen wir also daran arbeiten, wie wir über uns selbst denken. Hilfreich ist, uns unsere bisherigen Erfolge vor Augen zu führen und uns mit Nachsicht zu begegnen.

Lass dich nicht vergiften

Der Autor unterscheidet zwischen Anerkennung, die sich eher auf kürzere Projekte und Empfinden bezieht und Wertschätzung, die sich über die Zeit aus einer anhaltend positiven Erfahrung entwickelt. Häufig bleibt die Anerkennung in der Realität leider aus. Wir sollten uns daher weniger scheuen, aktiv nach Feedback zu fragen, von Personen die kompetent sind auch konstruktiv zu antworten. Auch die eigenen guten Leistungen zu kommunizieren fällt den meisten schwer, das kenne ich auch von mir. Es geht auch nicht darum, plötzlich ein Angeber zu werden, aber in den richtigen Situationen sachlich zu erzählen, was man geschafft hat. Vielleicht erzählst du deinem Chef ja mal von der überschwänglichen Dankesmail eines Kunden.

Wenn ich dich frage, ob es ungesund ist, wenn du jeden Tag einen Tropfen Gift zu dir nimmst, würdest du das sicherlich bestätigen. Nichts anderes ist es, wenn du jeden Tag respektlos behandelt wirst. Ganz unabhängig davon was jemand leistet, verdient jeder Mensch Respekt. Wird dieser vorenthalten, dürfen wir das aus Selbstschutz nicht durchgehen lassen. Respektlosigkeit verursacht ebenfalls körperlichen Schmerz und eine erhöhte Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Hin und wieder macht das nichts, aber es darf kein Dauerzustand sein. Deshalb sollten wir nicht darauf warten, dass sich solches Verhalten von selbst ändern, denn die andere Person genießt höchstwahrscheinlich diese Machtgefühle und baut so eigene innere Anspannung ab. Helfen kann schon, die erhoffte Reaktion zu verweigern, indem wir den anderen höflich ansprechen oder direkt anschauen und bedeutsam schweigen.

Leider fällt uns erst häufig Stunden später die passende Antwort auf eine Situation ein, das kennst du bestimmt auch. Wie oft saß ich schon zu Hause und wusste, was ich hätte sagen sollen. Meist müssen wir aber gar nicht besonders schlagfertig sein, sondern einfach gezielt nachfragen, um den anderen aus dem Konzept zu bringen. Wenn jemand sagt „das ist doch Blödsinn“ hat die Person in den meisten Fällen keine profunde Antwort für dich und wollte nur pöbeln. Frag doch ganz direkt „Was genau ist daran Blödsinn?“ und lass die Person das genau konkretisieren und auch eine Lösung vorbringen.

Der Autor bringt ein schönes Beispiel an, wie der Weg zu Wertschätzung funktioniert. Stell dir mal vor, du möchtest eine Katze von einem Garagendach locken. Nach stundenlangem Rufen hast du resigniert aufgegeben und gerade als du dich erschöpft auf den Boden fallen lässt, siehst du sie aus dem Augenwinkel leichtfüßig herunterspringen. Wir können Wertschätzung nicht erzwingen, wir erhalten sie, wenn wir uns weniger auf unsere Wirkung und mehr auf uns selbst konzentrieren. Wenn wir uns bei anderen einschmeicheln wollen, spüren die das und wir werden nie echte Wertschätzung erhalten. Du kennst sicher die Bücher oder Filme, wo es immer eine Gang der Bösen gab und der Anführer hatte immer so einen kleinen Speichellecker dabei. Der wird niemals echte Anerkennung erhalten und immer für die unbeliebten Aufgaben benutzt.

Sei ein Vorbild der Wertschätzung

Das Beste, was wir tun können, ist an uns zu arbeiten. Wer freundlich, ehrlich, zuverlässig und authentisch ist, wird auch von den Mitmenschen wertgeschätzt, solange die einem das auch wirklich abkaufen, weil du wirklich an dich selbst glaubst und das ausstrahlst. Wenn du einen Chef hast, der dich nicht gut behandelt, kann es gut sein, dass du sehr unsicher auftrittst und dir selbst nicht glaubst.

Aber vergiss dabei nie, dass niemand perfekt ist und alle guten Eigenschaften verkörpert. Wenn du aber an dich glaubst, was andere spüren und dich sichtbar bemühst, wirst du auch von den meisten Menschen Anerkennung und Wertschätzung erhalten.

Doch was machst du, wenn du mit einem Dankbarkeitsmuffel zusammenarbeitest? Wenn du wirklich zu 100% überzeugt an dich glaubst, gute Arbeit leistest und dich bemühst und trotzdem nie Dank erhälst? Manchmal können andere die Arbeit unserer Leistung einfach nicht einschätzen. Dann ist es gut, wenn du direkt sagst „Das hat mich einiges an Arbeit gekostet und war gar nicht so einfach.“ In der Regel verstehen die Menschen dann, was du willst und wir können sie nach und nach ein bisschen erziehen. Manchmal muss man aber auch etwas direkter werden. Sehr charmant finde ich auch den Satz „Kein Problem, die Spätschicht habe ich gern übernommen. Wenn ich einmal einen privaten Termin habe, dann springst du für mich ein.“

Beide Sätze haben mich an eine Beobachtung erinnert, die ich schon häufiger gemacht habe. Egal wie sehr uns etwas stört, wir dürfen es nicht so lange anstauen, bis wir nur noch zickig, aggressiv oder sehr genervt antworten können. Dann fühlt sich der andere in einer Weise angegriffen, die ihn direkt ablocken lassen wird. Die beiden Beispiele des Autors agieren zwar direkt, aber über ein bisschen Witz, sodass der andere zwar nachdenklich wird, aber noch erhobenen Hauptes aus dem Gespräch gehen kann.

Ein weiterer Tipp ist, vorzuleben, wie man selbst gerne behandelt werden würde. Bedanke dich überschwänglich bei der Person, die dir dieses Lob vorenthält und bringe sie so vielleicht zum Nachdenken.

Wenn all das bei einer bestimmten Person nicht hilft, solltest du einfach einen Schlussstrich ziehen. Du hast ja nun deine eigene Wertschätzung erlangt, bemühst dich und der Großteil der Menschen empfindet große Wertschätzung und Anerkennung für dich. Probiere die anderen aus deinem Leben zu streichen, indem du deinen Job wechselt oder ignoriere die fehlende Dankbarkeit so weit es geht, indem du dir sagst, dass diese Personen eigentlich ganz arm dran sind. Denn wahrscheinlich umgibt sich niemand gerne mit ihnen, während du eine anerkannte und wertgeschätzte Person bist.

Alles Liebe

unterschrift ilka brühl

Shownotes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.