Die Suche nach Glück

Die Suche nach Glück

Beitragsbild, dass die Überschrift "Die Suche nach Glück" zeigt

Einerseits wissen wir, dass man nicht immer gut drauf sein kann, andererseits ärgern wir uns trotzdem, wenn eine Welle der schlechten Laune über uns hinwegrollt. Beziehungsweise muss es sich nicht mal um eine negative Stimmung handeln, es reicht häufig schon aus, dass euphorische Glücksgefühle abebben und wir fallen in ein Loch. Kann man nicht einfach immer glücklich und zufrieden sein?

Dieses Thema scheint sehr viele Menschen zu beschäftigen, wenn man die Anzahl an Ratgebern betrachtet, die jährlich zu dem Thema erscheinen. Die Ansätze sind dabei ebenso vielfältig wie die Leser, weil die Suche nach Glück uns alle beschäftigt. Im Laufe der letzten Monate habe ich mich viel mit dem Thema befasst und habe die unterschiedlichsten Artikel und Bücher gelesen. Kurz gesagt, in einem Punkt waren sich die Bücher einig: Jeder Mensch empfindet Glück anders. Deshalb stelle ich in dieser Folge nur verschiedene Möglichkeiten und Ansichten dar, wobei du selbst schauen musst, welche auf dich zutreffen.

Niemand ist immer glücklich

Mitnichten ist man immer glücklich, auch wenn einem manche reißerischen Titel das suggerieren wollen, indem sie mit dem ultimativen Weg zum Glück aufwarten wollen. Zum Glück sehen das die meisten Autoren genauso und machen keine falschen Versprechungen. Denn nur wer auch weiß, wie es ist, wenn man nicht glücklich ist, kann die wirklich schönen Zeiten wertschätzen.

Es ist wie mit saisonalem Obst und Gemüse oder den Jahreszeiten. Wäre die Lieblingsvariante jederzeit verfügbar, würde sie unweigerlich an Reiz verlieren. Selbst wenn Pizza dein Lieblingsessen ist, wirst du sie wahrscheinlich nicht jeden Tag essen wollen. Jedenfalls würde sie dir irgendwann nicht mehr ganz so gut schmecken, auch wenn du dir das vorstellen könntest. Es ist also der Kontrast, den wir benötigen.

Diesen Effekt kann man auch gut in anderen Lebensbereichen beobachten. Häufig können wir erst schätzen, was ein gesunder Körper alles leistet und wie besonders das ist, wenn uns etwas passiert. Oder auch die Wahl, denn viele Menschen gehen nur wählen, wenn sie nicht zufrieden sind und eine Änderung herbeiführen wollen.

Ist Glück Zufall?

Ein Punkt, den ich besonders interessant finde, ist, wie unterschiedlich Menschen mit Krisen umgehen. Manche Personen haben bereits so viel durchgemacht und trotzdem lassen sie sich nicht unterkriegen, sind positiv gestimmt und finden ihren Weg. Anderen fällt scheinbar alles zu, sie haben ein vermeintlich perfektes Leben und sind dennoch häufig unglücklich. Was zu dieser positiven Einstellung der erstgenannten Kategorie führt, fällt in das Forschungsgebiet der positiven Psychologie. Über diese lese ich derzeit ein sehr spannendes Buch, weshalb ich dazu demnächst nochmal eine eigene Folge machen werde.

Auf jeden Fall werden unsere Gefühle maßgeblich von uns selbst bestimmt, darin sind sich die Autoren ebenfalls einig. Dabei werden aber die unterschiedlichsten Wege eingeschlagen, um Glück hervorzurufen. Die ersten bekannten Auseinandersetzungen mit dem Thema fanden bereits in der Antike statt. Bereits damals gingen die Meinungen auseinander, was man dafür tun müsse. Wie bereits angesprochen ist man heute so weit, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und folglich auch die Wege zum Glück. Es gibt aber grundsätzliche Punkte, die wissenschaftlich bewiesen sind und diese Muster können wir nutzen.

Positives Denken üben

Sicher weißt du, dass Routinen unser Leben erleichtern können. Man denkt gar nicht mehr darüber nach, sondern handelt ganz automatisch, weil sich diese Verhaltensweisen förmlich eingebrannt haben. Beispielsweise denke ich morgens und abends gar nicht darüber nach, mir nicht die Zähne zu putzen, wie man es als Kind gerne getan hat, weil es durch die Gewohnheit komplett selbstverständlich geworden ist. Eingebrannt trifft es in diesem Fall sogar sehr gut, denn verantwortlich dafür sind unsere neuronalen Bahnen.

Zwischen den Nervenzellen in unserem Gehirn werden elektrische Impulse übertragen, wobei eine Distanz überbrückt werden muss. Wenn dieser Pfad selten genutzt wird, ist es wesentlich schwieriger für unser Gehirn, als wenn die Impulse da häufig lang flitzen. Das kannst du dir gut vorstellen wie ein Trampelpfad in der Natur, der durch ständiges Begehen entsteht. Nur weil schon viele Leute vorher da lang gegangen sind, ist der Weg geebnet und hierdurch fällt es nachfolgenden Wanderern immer leichter.

Genauso arbeitet unser Gehirn, was wir als Lernen bezeichnen. In der Grundschule sind die neuronalen Bahnen für z.B. Mathe also noch ein wilder Dschungel und im Laufe unserer schulischen Laufbahn entwickeln sich dann mehr oder weniger breite Straßen. Je häufiger wir etwas machen, desto leichter fällt es uns also. Und das gilt auch für positive Denkweisen.

Glück kann man steuern

Eine fundamentale Erkenntnis ist also, dass man sein Glück mit in der Hand hat. Als CholerikerIn bist du es gewohnt, dich schnell aufzuregen und hast deine neuronalen Bahnen in diesem Bereich hervorragend trainiert. Wenn der Autofahrer vor dir also mal wieder nicht so fährt, wie du es gerne hättest, ist es sehr wahrscheinlich, dass du dich aufregest. Das Schöne dabei ist aber, dass wir diese Bahnen verkümmern lassen können, wenn wir sie nicht mehr nutzen und gezielt trainieren.

Statt den Kopf hängen zu lassen und dich abzuschreiben, solltest du also versuchen neue Trampelpfade durch dein Gehirn zu erstellen. Bis aus dem Dschungel eine richtige Straße wird, kann einige Zeit vergehen, also sei nicht zu hart mit dir. Es gibt diesen Spruch, dass etwas zur Routine wird wenn du es 21 Tage lang immer machst. Natürlich ist das nur ein Richtwert und bei jedem Menschen anders. Außerdem würde ich nach 21 Tagen erstmal von einem Trampelpfad sprechen, mit anderen Worten, es können Jahre vergehen, ehe etwas komplett in uns verankert ist.

Nimm als Beispiel einen ehemaligen Raucher, der oft noch Wochen oder Jahre später nicht völlig immun ist gegen den Geruch. Andererseits können wir genau diesen Effekt nutzen. Wenn glücklich sein unser Rauchen ist, kommen wir davon so schnell nicht mehr weg. Nichtsdestotrotz möchte ich hier nochmal betonen, dass niemand immer glücklich ist.

Von daher sollten wir uns gut überlegen, womit wir unsere Zeit verbringen. Denn wenn wir unsere Aufmerksamkeit einer Sache zuwenden, werden die neuronalen Bahnen dabei trainiert. Gelingt es uns also häufig Glück zu empfinden, werden wir immer besser darin. Deshalb gibt es auch Menschen, die scheinbar immer gut drauf sind und andere, die richtige Miesepeter sind.

Realität und Erwartungen

Folgend möchte ich ein paar der Ansätze aus den Büchern aufzeigen, die helfen unser Glücksempfinden zu trainieren. Obwohl es nicht immer klappt und es auch Phasen gibt, in denen Trauer und Schmerz völlig normal sind, können wir viel Negatives durchaus vermeiden, weil wir es uns selbst schwer machen.

Im Grunde lassen sich Situationen, in denen man nicht glücklich ist, auf eine einfache Gleichung herunterbrechen. Die Realität deckt sich nicht mit deinen Erwartungen. Das klingt so einfach, hat bei mir aber sehr viel bewegt. Du hast also die Möglichkeit entweder die Realität anzupassen oder deine Erwartungen oder eine Mischung aus beidem.

Angenommen dein Chef kommt spontan zu dir und bittet dich ganz spontan, eine wichtige Aufgabe schnell fertig zu machen. Dann kannst du dich natürlich ausgiebig darüber ärgern und die ganze Zeit beim Bearbeiten wütend vor dich hin grummeln. Das macht die Situation erstens nicht besser und zweitens trainiert es die neuronale Bahn auf spontane Dinge genervt und wütend zu reagieren. Es ist also besser, dich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren anstatt sich in das Negative hineinzusteigern.

Obwohl du das jetzt weißt, wird es dir natürlich nicht gleich leicht fallen, weil deine Bahnen ja schon jahrelang trainiert wurden. Ich erwische mich auch immer wieder dabei, wie ich negative Gedanken habe, die die Situation in keinster Weise verbessern und komplett unnötig sind. Wir könnten wir stattdessen darüber nachdenken, dass es ein Zeichen von Vertrauen ist, dass wir mit dieser wichtigen Aufgabe betraut wurden. Ein anderer Fall ist es natürlich, wenn wir systematisch immer wieder ausgenutzt werden. Aber auch dann wäre es falsch zu resignieren und die Meinung zu entwickeln, dass Arbeit eben so ist.

Richtiger wäre es, das Gespräch mit dem Chef zu suchen oder notfalls wenn alles nicht hilft nach einer neuen Stelle zu suchen. In Bezug auf die Gleichung hieße es, die Realität zu ändern. Oder wir akzeptieren, dass wir hin und wieder länger bleiben müssen, weil uns das wahrscheinlich in jedem Job mal so geht, das wäre dann eine Anpassung der Erwartung. Oder wir bleiben einfach seltener lang und passen somit beides an.

Glück durch Meditation

Vieles hängt also wieder von unseren eigenen Gedanken ab. Darum wird einem auch so häufig Meditation ans Herz gelegt. Anfangs kann das schnell frustrierend sein, weil man meist mit dem falschen Ansatz daran geht. Früher habe ich gedacht, wenn ich meditieren will, muss mich stundenlang im Schneidersitz irgendwo hinsetzen, dabei andächtig aussehen und an nichts denken. Doch gerade wenn man noch ungeübt ist, schweifen die Gedanken immer wieder ab. Und genau das ist normal und richtig. Das Ziel ist es nämlich diese Aufmerksamkeit wieder einzufangen. Es zählt also erstmal nicht das Endergebnis, sondern der Weg dahin.

Hilfreich sind am Anfang geführte Meditationen, in denen eine SprecherIn dir Anweisungen gibt, worauf du dich konzentrieren sollst. In Folge 22 mache ich übrigens auch eine kleine Meditation mit dir. Wenn du mit deinen Gedanken abdriftest, lässt du den Gedanken einfach wieder gehen und versuchst danach erneut an nichts zu denken. Ganz ohne negative Gefühle, dass du nicht gut genug zum Meditieren bist. Durch diesen ständigen Prozess, deine Gedanken einzufangen und zu ordnen, trainierst du die passenden neuronalen Bahnen und wirst immer besser darin. So viel jedenfalls die Theorie, ich bin auch noch eine ziemlicher Anfängerin.

Glück muss man sich nicht verdienen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, den Irrglauben zu überwinden, dass man erst etwas leisten muss, um glücklich zu sein. Erst die Arbeit dann das Vergnügen hat wohl jeder von uns schon mal gehört. Dabei zeigen viele Studien, dass glückliche Menschen erfolgreicher sind als unglückliche. Außerdem bedient es mal wieder das Vorurteil, dass Arbeit keinen Spaß machen kann. Wir sollten unser Glück an nichts koppeln und akzeptieren, dass wir zu jeder Zeit die Möglichkeit haben glücklich zu sein.

Außerdem kann es uns helfen ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Selbst wenn du nicht regelmäßig Buch darüber führen möchtest, kannst du versuchen regelmäßig darüber nachzudenken, wofür du dankbar bist. Der Gedanke an diese schönen Dinge, kann erstens dazu führen, dass dir bewusst wird, dass du gerade sozusagen auf hohem Niveau jammerst und eigentlich ein sehr gutes Leben hast und außerdem trainieren wir mal wieder die entsprechenden neuronalen Bahnen. Häufig fokussieren wir uns nämlich auf das Negative und vergleichen uns mit denen, die mehr haben. Doch dabei vergessen wir, dass es meist mindestens genauso viele gibt, die weniger haben.

Stress macht unglücklich

Ein echter Glückskiller ist übrigens Stress. Darum hat sich in den letzten Jahren auch so eine große Achtsamkeitsbewegung gebildet, bei der es um gezielte Entschleunigung geht. Mir ist das vorhin auf dem Weg nach Hause aufgefallen, als der Radfahrer vor mir etwas langsamer fuhr, als ich es gern getan hätte. Mein erster Impuls war, ihn zu überholen. Doch ich hatte keinen Termin und alle Zeit der Welt. Also habe ich mich ganz bewusst seinem Tempo angepasst und mich darauf konzentriert, wie schön die Bäume in der Umgebung aussehen.

Als ich zuhause ankam, war ich tiefenentspannt und zudem bei über 30°C nicht ganz so fertig. Wir leben zwar in einer Zeit des Multitaskings und ich neige auch dazu, viel zu viel gleichzeitig zu tun, nie richtig abzuschalten und nicht stillsitzen zu können. Aber so langsam bessert sich das. Zuerst konnte ich das gar nicht richtig genießen, aber je häufiger ich das mache, desto schöner finde ich es.

Erlebe neue Dinge und bewege dich

Was mich immer sehr glücklich macht, ist neue Dinge auszuprobieren und aus der Routine auszubrechen. Einfach mal ein neues Hobby anfangen, eine andere Route fahren, einen anderen Joghurt kaufen, einen neuen Kleidungsstil ausprobieren, es können große und kleine Dinge sein. Doch es ist stets aufregend und befriedigt einen Entdeckergeist in mir.

Nachweislich hat auch Bewegung einen sehr großen Einfluss auf unsere innere Balance. Jetzt höre ich schon die ersten Aufstöhnen und ja, ich bin eventuell eine davon. Doch die Studien sind sich auch darin einig, dass diese Bewegung nicht mit großer Anstrengung gekoppelt sein muss. Die Hauptsache ist, den Körper in Schwung zu bringen. Es gibt Untersuchungen, die Menschen mit Depressionen einer Bewegungstherapie unterzogen haben und so vergleichbare Ergebnisse erzielte, wie mit Medikamenten behandelte. Versuche etwas mehr Bewegung in deinen Alltag zu bringen. Lass das Auto mal stehen, nimm die Treppe, strecke dich zwischendurch, es gibt so viele Möglichkeiten.

Ich hoffe ich konnte dir mit dieser Folge weiterhelfen und ein paar Denkanstöße geben. Ich habe mich entschieden Tipps aufzunehmen, die von allen Büchern als gut erachtet wurden und auf keine speziellen Varianten einzugehen, weil da die verschiedensten Ansätze bestehen, die sich teilweise widersprechen. Diese Ansätze, wie z.B. die positive Psychologie werde ich dir nochmal in einzelnen Folgen näher bringen.

Alles Liebe

unterschrift ilka brühl

Shownotes

 

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