Du musst nicht von allen gemocht werden – Buchvorstellung

Du musst nicht von allen gemocht werden – Buchvorstellung

Beitragsbild auf dem steht: "Folge 28. Du musst nicht allen gefallen"

In dieser Folge möchte ich euch von einem Buch berichten, das ich kürzlich gelesen habe. Es wurde mir vorher vielfach empfohlen, weshalb ich besonders gespannt auf den Inhalt war. Um sicherzugehen weise ich hiermit darauf hin, dass ich diese Folge deshalb als Werbung kennzeichne. Es handelt sich aber um meine freie Meinung und ich werde dafür nicht bezahlt. Aus rechtlichen Gründen kann ich das Buch natürlich nicht genau wiedergeben, aber ich fasse euch die – in meinen Augen – wichtigsten Punkte zusammen und ergänze sie um meine eigene Meinung.

Bei dem Bestseller aus Japan handelt es sich um „Du musst nicht von allen gemocht werden“ von Ichiro Kishimi und Fumitake Koga. In diesem werden die Weisheiten von Alfred Adler erklärt, der ein Vorreiter der Achtsamkeitsbewegung war. Erzählt wird als Dialog zwischen einem unglücklichen jungen Mann und einem Philosophen, der sich über fünf Abende erstreckt. Durch diese Erzählform lässt es sich wirklich angenehm lesen und man bekommt die philosophischen Ideen Adlers wie beiläufig mit, was ich sehr gelungen finde.

Buchcover das den Titel "du musst nicht von allen gemocht werden" und den Untertitel "vom Mut sich nicht zu verbiegen" neben der Illustration eines Kaktus zeigt.

Lass die Vergangenheit hinter dir

Die Kernaussage des Buches ist meiner Meinung nach, dass unsere Vergangenheit uns nicht definiert. Natürlich prägt uns diese, aber letztlich können wir jederzeit entscheiden unser Handeln zu ändern. Und nicht nur das Handeln, sondern auch unsere Denkweisen. Die Autoren stellen klar, dass wir für viele Verhaltensweisen die Traumata und Erlebnisse der Vergangenheit verantwortlich machen. Oft auch unbewusst. Warum gibt es dann aber Menschen, die eine harte Vergangenheit hatten und dennoch glückliche, positive Menschen geworden sind? Weil es vor allem zählt, was wir daraus machen und wie wir mit uns selbst reden. Denn ein Weg entsteht erst, wenn wir ihn gehen, wie auch Jennifer Rostock singt. Andersrum bedeutet es auch, dass Menschen, die nicht glücklich sind, selbst einen großen Anteil daran tragen.

Bevor du jetzt aufschreist und mir sagst, dass du natürlich nicht aktiv etwas für das unglücklich sein tust, calm down, ich weiß, dass niemand das gerne hört. Auch ich bin nicht immer glücklich und das erwartet auch keiner. Wir reden hier nicht davon, dass man mal einen schlechten Tag hat oder so. Aber häufig merke ich selbst, dass ich selbst dieses Unglücklichsein mindestens verstärkt, wenn nicht sogar hervorgerufen habe.

Konzentrier dich auf Positives

Wenn mir etwas auf den Fuß fällt, ist das natürlich erstmal doof, aber ich kann selbst bestimmen, wie lange ich mich noch darüber ärgere, nachdem es schon lange nicht weh tut. Wenn sich jemand an der Kasse vordrängelt und ich völlig genervt bin, macht es das nicht unbedingt besser. Probiere weniger an das zu denken, was dich stört, sondern konzentriere dich auf etwas anders. Die Wut verraucht dann zwar nicht sofort, aber doch eine Ecke schneller. Außerdem lernst du dieses Verhaltensmuster anzuwenden. Je häufiger du dich selbst aus kleinen Tiefs ziehst, desto besser wirst du darin.

Wenn ich das hier so sage, gebe ich aber nur meine eigene Meinung und die Lehren Adlers wieder. Es gibt dazu defintiv unterschiedliche Meinungen in der Fachwelt, wie ja eigentlich immer. In der traditionellen Psychologie wird beispielsweise unterschieden in Menschen, die tendenziell eher heiter-glücklich oder launisch-depressiv sind. Adler widerspricht dem und hält Optimismus und Pessimismus für Lebensstile.

Minderwertigkeitskomplexe besiegen

Ein Punkt, in dem ich mich total wiedererkannt habe, ist die Abhängigkeit von einem oder mehreren Makeln. Wir machen unser Denken komplett abhängig von einem Zustand, in dem wir von unserem eigenen Wunschbild abweichen, das uns so durch die Gesellschaft eingetrichtert wurde. Bei mir war es lange Zeit mein Aussehen, das Schuld an allem war, ich konnte ja quasi gar nicht gemocht werden. Es ist auf eine verrückte Weise bequem, weil man sich nicht damit auseinadersetzen muss, wie man sein Leben verbessern kann. Jedes Unglück wiederfährt einem anscheinend wegen dieses Makels.

Das beruht wieder auf dem Modell, das man nicht für sein eigenes Glück verantwortlich ist. Vielleicht hilft es dir ja auch, den Spieß mal umzudrehen? Wie oft hast du schon intensiv über die Makel anderer Leute nachgedacht? Ich meine nicht, wenn dich jemand zum Lästern verführen will, sondern wirklich von dir aus. Klar ist man manchmal neugierig, warum jemand so aussieht oder sich so verhält, aber das ist ja nicht werten gemeint.

Das Leben dreht sich nicht um dich

Man stellt sich selbst in den Mittelpunkt erwartet, dass das Leben alles regelt. Oder wenn es das eben nicht tut, läuft es schlecht. Wenn ich das so sage, höre ich erst richtig, wie verrückt das ist. Ich meine wir sind über 7 Milliarden Menschen auf dieser Erde, die wir eh gerade so schön runterwirtschaften, weil wir viel zu egozentrische Wesen sind. Wieso sollte uns das Glück in den Schoß fallen? Beziehungsweise warum sollte es bei manchen Menschen dauerhaft schlecht laufen? Das ist doch unwahrscheinlich. Nur wenn wir ganzheitlicher denken und nicht so auf uns selbst bezogen, können wir wahres Glück erfahren.

Und damit meine ich nicht, dass wir uns selbst vernachlässigen sollten, auf keinen Fall. Dazu kannst du dir gerne Folge drei hören, in der ich über die Bedeutung von Selbstliebe rede. Aber wenn man einfach mal nicht davon ausgeht, dass die Person in der Bahn einen gerade abschätzig mustert, sondern einfach nur träumt. Oder wenn einem die Freundin nicht direkt antwortet, hasst sie einen bestimmt nicht, sondern ist nur beschäftigt. Achte einfach mal darauf, wie oft du vom Schlimmsten Fall ausgehst, Handeln auf dich beziehst und an negativen Gedanken hängen bleibst.

Weniger Vergleichen tut gut

Wir sollten uns allgemein weniger vergleichen. Ich verstehe, dass es in manchen Bereichen Spaß machen kann, sich zu messen und zu Höchstleistungen motiviert, wie im Sport. Aber wenn man als Ziel hat, nicht die schnellste LäuferIn der Welt zu werden sondern die glücklichste, ist das sicherlich der falsche Weg. Außerdem ist immer die Frage, wie man Höchstleistungen definiert. Für mich ist immer ein gutes Beispiel das duale Studium, was ich gemacht habe. Je nach Unternehmen werden alle übernommen, die einen bestimmten Notenschnitt schaffen oder nur beispielsweise die besten fünf. 

Zum Glück war es bei mir möglich, dass alle übernommen werden, solange sie den Schnitt schaffen. Das Resultat? Man hilft sich. Eine Freundin hat in dem anderen Modell studiert und da herrschte viel mehr Konkurrenzdenken. Kann gut sein, dass die im Durchschnitt etwas bessere Noten hatten, aber was hat man damit gewonnen? Bei uns haben sich tolle Freundschaften entwickelt, die soziale Kompetenz ist viel ausgeprägter. Mit Glücklichsein verbinde ich eher diese Variante. Das andere Unternehmen erhält doch bloß eine neue Generation von auf sich fokussierten Mitarbeitern.

Gemocht werden ist nicht alles

Das leitet sehr gut zu einer weiteren Erkenntnis aus dem Buch über. Die Sucht nach Anerkennung ist nicht gut. Es fängt schon als Kind an, wenn man unbedingt den Eltern gefallen will. Viele Kinder haben gar nicht die Gelegenheit auf eigenen Beinen zu stehen, vielleicht auch mal auf die Nase zu fallen, aber dann gestärkt aus der Situation hervorzugehen. Kinder sind Meister darin zu merken, welche Verhaltensweisen zu Lob und welche zu Tadel führen. Das führt bei vielen Kindern dazu, dass sie ihren eigenen Wert von ihren schulischen Leistungen abhängig machen und geht weiter bei der Berufswahl. Man soll halt erstmal was Vernünftiges machen, mit dem man auch Geld verdienen kann. Doch ein so vorbestimmter Weg ist nicht immer der, der dich auch glücklich macht. Außerdem nimmt man seinen Kindern so die Möglichkeit, selbst herauszufinden, was ihnen Spaß macht.

Doch dieses antrainierte Verhaltensmuster kann man ablegen, auch wenn es schwer ist. Auf den ersten Blick ist es natürlich leichter, alles zu machen, was die ChefIn, PartnerIn oder FreundIn möchte. Wenn du allerdings beginnst dein Handeln von ihnen unabhängig zu machen, wird dir das vieles erleichtern.

Das ist ein Punkt, über den ich momentan sehr viel nachdenke. Regelmäßig wenn ich plane, was ich nächstes Jahr während meiner Freistellung so mache und verschiedene Möglichkeiten gegeneinander abwäge, komme ich an einen Punkt, wo ich überlege, was mein Umfeld und meine Follower davon halten würden. Dabei mache ich dieses Jahr für mich. Also sollte ich genau den Weg einschlagen, der mir am meisten Glück verspricht. Vernunftentscheidungen habe ich schon genug im Leben getroffen.

Die Sucht nach Bestätigung

Oder was mir auch häufig auffällt, ist wenn Leute sich in Posts oder ihrer Instastory darüber beschweren, wie ihre Reichweite zurückgegangen ist und ob denn ihre Inhalte nicht mehr gefallen würden. Klar kann ich die grundsätzliche Überlegung verstehen, denn es ist schade, wenn man sich Mühe mit einem Post gibt und ihn kaum einer sieht. Algorithmen können schon eine fiese Sache sein. Was ich mir dann aber immer sage und weshalb mich das wirklich nicht juckt ist, dass ich das mal angefangen habe mit 300 Followern, weil es mir Spaß macht und eine tolle Möglichkeit ist, meine Gedanken zu sortieren. Wenn das dann auch noch Leute sehen oder hören und mögen, ist das natürlich schön. Aber der Antrieb sollte immer aus einem selbst kommen. Wenn ich irgendwann keinen Spaß mehr dabei verspüre, will ich das überhaupt nicht mehr machen.

Uiuiui, da habe ich mich aber wieder in Rage geredet, aber es ist mir einfach so ein Herzensthema, nachdem ich selbst so lange mein Glück von meinem Aussehen und meinem ach so harten Schicksal abhängig gemacht habe.

Du hast es selbst in der Hand, das ist die Aussage von dem Buch „du musst nicht von allen gemocht werden“. Ich kann dir sehr empfehlen es zu lesen und würde mich freuen, wenn du mir anschließend schreibst, wie du es fandest. Oder falls du es schon gelesen hast, natürlich auch gerne direkt.

Eine Sache noch. Geh nicht zu hart mit dir ins Gericht. All das ist immer ein Prozess und alleine, wenn du meinen Podcast hörst, zeigt das schon, dass du nicht komplett selbstbezogen bist. Denke einfach hin und wieder dran, wenn du gerade grummelig bist.

Alles Liebe

unterschrift ilka brühl

 

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