Achte auf dich

Achte auf dich

Achte_auf_dich_selbst

In dieser Folge habe ich zum ersten Mal gleichzeitig zwei Personen zu Gast. Die beiden Powerfrauen Anne Emmelmann und Natassja Brand vom Mindful Business Podcast wollen Leuten zeigen, dass beides geht: ein erfülltes Privatleben sowie eine erfolgreiche Karriere.

Zunächst stelle ich mich vor und erzähle, dass ich früher mit meiner Gesichtsspalte mehr gehadert habe, jetzt aber sehr glücklich und zufrieden bin. Das hat Anne sehr gefreut, weil sie jetzt im Juni ein Kind bekommt und es eine Mutter natürlich freut, dass ihr Kind ein tolles Leben haben kann, auch wenn es besonders ist.

Wir reden darüber, dass man die Verantwortung übernehmen muss für vieles, was uns passiert, weil unsere eigene Denkweise und Handlung mehr bestimmt, als wir manchmal glauben. Jeder Mensch hat was, womit sie oder er zu kämpfen hat, aber wir haben selbst in der Hand, was wir daraus machen.

Es ist wichtig und auch so schön an Social Media, dass man anderen helfen kann zu erkennen, dass man auch mal schwach sein darf. Denn jeder hat doch Dinge, die einen stören und die man so schnell aber nicht ablegen kann. Doch wer ist schon perfekt? Gut also, wenn man sich vernetzt und sieht, dass es auch anderen so geht. Wir sind nicht allein!

Wie sie zur Achtsamkeit fanden

Natassjas Vergangenheit ist zum Beispiel sehr durch ihre Neurodermitis geprägt gewesen, wodurch sie zur Persönlichkeitsentwicklung gefunden und viele Dinge und Werte entdeckt hat, die ihr wichtig sind. Anne und sie kennen sich jetzt seit 8 Jahren, weil Natassja nach Frankfurt gezogen ist und sie ganz normal Freundinnen geworden sind.

Dann waren sie beide lange Zeit Sparring Partner für Berufliches, denn beide haben in jungen Jahren Führungspositionen gehabt und erstmal klassisch die Karriereleiter erklommen. Doch unabhängig voneinander haben sie gemerkt, dass es nicht das ist, was sie wollen. In Unternehmen gibt es häufig dieses Führungsbild, dass man immer stark sein muss und sich durchsetzen können muss. Beide haben die Bereiche der Achtsamkeit, Persönlichkeitsentwicklung für sich entdeckt. Nicht nur hustlen, hustlen, hustlen, Ellbogen raus und Gas geben.

So kam die Idee zum Podcast.

Mit diesem wollen sie zeigen, dass man auch auf ruhige und introvertierte Weise erfolgreich sein kein. Teams in Firmen sind beispielsweise häufig sehr gemischt, weil es so gelehrt wird, dass man verschiedene Persönlichkeitstypen braucht, die alle ihren Beitrag leisten. Dabei gehen die stillen und leisen Personen häufig unter. Aber wenn man sie gezielt anspricht und ihnen den Raum gibt, können da so viele wertvolle Beiträge entstehen.

Anne erzählt, dass sie zwar keine Neurodermitis oder Gesichtsspalte hat, aber relativ klein ist und merkt, dass sie schnell übersehen wird. Sich großmachen, profilieren und diese Ellbogenmentalität sind Punkte die in einer Firma häufig dazu gehören, um bemerkt zu werden, was irgendwie wie ein ständiger Kampf ist. Wir sind überzeugt davon, dass es auch anders geht.

Außerdem haben wir die Kraft der Worte live miterlebt, weil Anne sich vor der Kamera ganz klein gemacht hat, als sie das gesagt hat. Also unbewusst. Es ist wirklich wichtig, wie wir mit uns selbst sprechen.

Sei stolz auf dich

Die beiden haben total liebe Worte zu meiner eigenen Entwicklung gefunden. Als Anne mich Vorbild nennt und ich das so ein bisschen abwiegele, ist uns nochmal aufgefallen, dass man häufig Komplimente nicht annimmt. Insbesondere Frauen sind zu Bescheidenheit erzogen. Anne hat erzählt von einem Training für Präsentationstechniken, bei dem ein Teil war, dass einem am Ende ganz lange applaudiert wurde und man das quasi ertragen musste. Wir müssen wirklich üben, Anerkennung und Lob anzunehmen.

Anschließend haben wir eine ganze Weile über das Thema geredet, dass es zwar einerseits sympathisch ist, wenn jemand bei Komplimenten bescheiden ist, es in anderen Ländern aber nicht unbedingt so ankommt. Denn das ist etwas, was uns in Deutschland sehr anerzogen wird.

Wieder eine Schwierigkeit im Berufsleben, wie soll man sich da denn auf Netzwerkevents verhalten? Man redet nicht über Gehalt und Position, sondern irgendwie so darum herum. Amerikaner sind z.B. viel direkter und sagen direkt, was ihre Position ist und was sie einem bieten können. Natassja hat bis vor Kurzem zum Beispiel nur gesagt, dass sie Fahrräder verkauft. Im nächsten Anlauf hatte sie dann einen kleinen Laden und erst beim dritten Versuch hat sie gesagt, ich bin verdammt nochmal die Inhaberin. Also Natassja, sei bitte stolz auf dich, achte auf dich und steh zu deinen Leistungen. 😊

Insbesondere Frauen haben damit ihre Schwierigkeiten. Männer gehen zum Beispiel eher in Gehaltsverhandlungen mit 1000€ mehr, weil sie damit rechnen noch runtergehandelt zu werden. Frauen starten schon niedriger. Versteht mich bitte nicht falsch, ich äußere mich hier nicht negativ gegen Männer oder setze uns Frauen in eine Opferrolle. Ich will nur dazu anregen, dass wir selbstbewusster auftreten und uns mal bewusst werden, was wir leisten und welche Anerkennung wir dafür verdient haben. Und das gilt ganz sicher auch für viele Männer, die darin nicht gut sind.

Wir sind keine Maschinen

Ein weiteres Beispiel für das verkorkste Selbstbild, das viele Frauen haben ist folgendes: Anne hat erzählt, dass das Magazin Edition F ihr verraten hat, dass Frauen viel häufiger auf Bilder klicken, die vermeintlich perfekte Frauen zeigen, auch wenn sie sich mit der Person gar nicht identifizieren können.

Natassja erzählt daraufhin von dem Film Embrace, bei dem Leute gefragt wurden, was sie über ihren Körper denken und die häufigste Antwort war „eklig“. Mich hat das wirklich schockiert, weil es ein so krasses Wort ist. Ich meine eine leichte Unzufriedenheit … aber eklig? Was führt dazu, dass die Mehrheit der Frauen so denkt? Wie furchtbar ist das denn? Mich ermutigt es auf jeden Fall weiter, mich genau so zu zeigen wie ich bin und immer wieder das Statement zu setzen: Du bist wunderbar, so wie du bist.

Die Filmerstellerin hat eine Zeit lang extremes Bodybuilding mit Wettkämpfen betrieben und dann gemerkt, was sie ihrem Körper damit schadet.. Dabei tut unser Körper so viel für uns und es hilft, sich das mal bewusst zu machen. Sich nicht auf die einzelnen Fehler zu konzentrieren, sondern auf all die großartigen Dinge, die unser Körper in jeder Sekunde verrichtet.

Wenn ich sage, du bist wunderbar, meine ich damit nicht, dass du perfekt bist und man nichts mehr an sich optimieren kann. Aber man darf halt auch Schwächen haben. Es ist schließlich auch erwiesen, dass traurig sein und weinen auch sehr wichtig ist und gut tun kann. Es sollte weder zu sehr in das eine Extrem gehen, dass man alles an sich zur Perfektion treiben will, aber auch nicht dass man in Selbstmitleid ertrinken sollte. Jeder sollte sich einfach bewusst sein, dass man Stärken und Schwächen hat, an denen man ja auch ruhig arbeiten kann. Aber alles Schritt für Schritt und ohne Frustration. Achte auf dich und deine Bedürfnisse.

Hin zu einer achtsamen Welt

Anne erzählt, dass es aber auch für junge Männer momentan eine schwierige Zeit der Identitätskrise ist, weil sie noch diese starken Männerrollen vorgelebt bekommen, aber ihnen immer wieder gesagt wird, dass sie ja alles machen können, auch ihre softe Seite zeigen können. Anne empfiehlt zu dem Thema das Buch „alte weise Männer“.

Annes Vision ist es, dass sie einfach in jedem Moment sie sein kann und so anderen Leuten Mut macht, genau das gleiche zu tun, sodass sich das wie ein Dominoeffekt durch die Welt zieht. Ein Beitrag dazu ist sicherlich ihr Podcast. Persönlichkeitsentwicklung als Schulfach wäre auch klasse.

Natassjas Vision fängt bei Kindern an, da diese ihr sehr stark am Herzen liegen. Sie will, dass die Leute einfach sie selbst sein können durch mehr Toleranz, Spiritualität und Persönlichkeitsentwicklung. Die Hirachien sollten aufgebrochen werden, der Mensch wieder mehr im Mittelpunkt stehen.

Klar, sie selbst als Chefin muss auch mal unangenehme Gespräche führen und die Vorgesetzte raushängen lassen, aber der Mensch ist Mensch und kommt nicht zur Arbeit um eine Leistung abzulegen. Sie will, dass jede/r gerne zur Arbeit geht und das als Teil ihres/ seines Lebens betrachtet. Dass man nicht nur die Aufgabe gerne macht, sondern sich wohlfühlt. Das hat viel mit Arbeitszeitmodellen, Achtsamkeit, Digitalisierung, Arbeitsmethoden, Führungsstil usw. zu tun.

Meine Vision ist, dass mehr Menschen in sich selbst ruhen können, einfach zufrieden mit sich und der Welt. Ich glaube, dass selbst Kriege sich verhindern lassen würden, wenn alle Menschen zufriedener wären. Viele Menschen wissen selbst nicht so richtig, was sie wollen in ihrem Leben. Die leben ihr Leben halt so vor sich hin, sicherere Job, Spaß naja … und diese grundsätzliche Unzufriedenheit macht sie dann auch wieder fies zu anderen, lässt sie aus Neid falsch handeln usw. Außerdem finde ich, dass alle – die Reinigungskraft und die Führungskraft – wichtig für die Gesellschaft sind und deshalb faire Löhne bekommen sollten und die Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen.

Glaub an dich. Glaub an deine Träume. Achte auf dich. Lebe und arbeite genau so, wie es sich für dich richtig anfühlt. Und lass dir niemals von anderen einreden, dass du so nicht richtig bist. Denn du bist wunderbar und wertvoll.

Alles Liebe

unterschrift ilka brühl

Shownotes

 

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