Einsamkeit – Ursachen und Tipps

Einsamkeit – Ursachen und Tipps

Einsamkeit_Ursachen_und_Tipps

Eine gute Freundin hat mir kürzlich ein Video über Einsamkeit gezeigt, das mich so interessiert hat, dass ich mich gleich noch mehr mit dem Thema auseinandergesetzt habe.

Wir leben in einer Zeit, in der wir uns leichter vernetzen können als jemals zuvor. Mit ein wenig Klicken und Wischen können wir neue Freunde finden, unser Leben mit anderen teilen und uns sehen, obwohl uns tausende Kilometer trennen. Das ist ja großartig, dann ist ja bald niemand mehpr einsam und wir haben alle ganz viele Freunde, oder nicht?

Warum fühle ich mich einsam?

Hingegen zeigen Studien, dass das Gegenteil der Fall ist. Inzwischen fühlen sich Menschen zwischen 18 und 34 immer häufiger einsam – also genau die Generation, die von dieser Vernetzung profitiert. Doch wie kommt das? Die Frage habe ich mir gestellt und ein bisschen recherchiert. Das wird natürlich keine wissenschaftliche Ausarbeitung mit dem Anspruch auf Vollständigkeit, aber ich finde es kann nie schaden ein gewisses Grundverständnis für viele Bereiche des Lebens zu haben.

Bevor wir zu den Ursachen für diese Entwicklung kommen, ist es sehr spannend zu verstehen, warum wir uns überhaupt einsam fühlen. Das ist nämlich interessant und evolutionstechnisch durchaus sinnvoll. In der Steinzeit haben wir nur in Gruppen überlebt, weil sich große Tiere so leichter jagen ließen, Alte und Kranke mitversorgt wurden usw. Ein Einzelgänger hatte damals ziemlich schlechte Chancen. Wenn man isoliert von der Gruppe war, weil man sich anders verhält oder so, sank die Überlebenschance drastisch. Die Natur ist ja so schlau, uns von Dingen abzuhalten, die nicht gut für uns sind. Bitter verbinden wir beispielsweise häufig mit Lebensmitteln, die nicht gut für uns sind. Deshalb leiden wir sehr unter Einsamkeit.

„Moment mal“, wirst du jetzt vielleicht sagen, „ich bin aber gerne mal allein.“ Genauso habe ich auch reagiert, als mir meine Freundin davon erzählt hat. Doch da müssen wir zwei Dinge klar voneinander trennen. Man kann allein und keineswegs einsam sein, so wie ich und alle anderen introvertierten Menschen das kennen. Aber eigentlich ist jeder doch zwischendurch mal gerne allein. Es ist aber auch möglich unter Menschen zu sein, aber einsam. Man hört doch immer wieder von Stars, die trotz ihres Ruhms mit Depressionen zu kämpfen haben. Einsamkeit ist ein Gefühl, was jeder Mensch empfinden kann, ganz unabhängig von seinen äußeren Einflüssen.

Die Folgen von Einsamkeit

Im Grunde genommen hat die Natur sich also gedacht, dass diejenigen bestraft werden, die sich nicht gut integrieren. Klingt logisch, wenn man sich das so überlegt. Ich bin immer wieder erstaunt, was hinter bestimmten Verhaltensweisen und Gefühlen steckt und könnte mich den ganzen Tag mit sowas befassen. Da fühle ich mich immer direkt wie ein Kind, das die ersten Dinge im Leben begreift und noch einen unersättlichen Wissendurst hat.

2010 wurden dazu mehrere Einzelstudien zu einer Sammelstudie zusammengefasst, die gezeigt hat, dass einsame Menschen mehr Cortisol (ein Stresshormon) ausschütten. Dieses sorgt dafür, dass unser Immunsystem schlechter funktioniert, wir werden anfälliger für Krankheiten. Die Untersuchung hat auch hat auch gezeigt, dass Menschen mit mehr tiefen sozialen Kontakten in Belastungssituationen gelassener bleiben. Krass ist auch, dass soziale Isolation den größten Einfluss auf unsere Lebenserwartung hat, noch vor Alkohol, Fettleibigkeit und Luftverschmutzung. Ich meine wie heftig ist das denn?

Doch wenn wir jetzt den Grund für dieses eklige Gefühl kennen, das mit Einsamkeit einhergeht, wieso suchen wir uns dann nicht alle einfach ein paar richtig gute Freunde? So schwer kann das ja nicht sein. Tatsächlich gibt es viele Gründe, die dazu führen können, dass wir keine richtigen Vertrauten haben.

Wieso bin ich so einsam?

Fangen wir mal mit den jungen Leuten an, die ja so häufig betroffen sind. Früher hatten wir laut der Studie im Durchschnitt drei richtig gute Freunde, wobei die Zahl auf ein bis zwei gesunken ist. Alleine auf Facebook haben wir doch alle so viele mehr. Aber natürlich sind die meisten keine richtigen Freunde, denen man etwas anvertrauen würde und auf die man zählen kann. Zusätzlich sehen wir in den sozialen Medien immer mehr Influencer, die ein scheinbar perfektes Leben führen und von vielen angehimmelt werden. Besonders bei Teenagern und jungen Erwachsenen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es zu einer völlig falschen Erwartungshaltung an das eigene Leben und die eigenen Freunde kommt. Man kommentiert und liked und lebt in dieser Parallelwelt, ohne zu merken, dass man sich gar nicht mehr unterhält.

Habt ihr euch mal in der Bahn umgesehen, wenn gerade die Zeit ist, zur Schule zu fahren? Da redet doch keiner miteinander und ich möchte gar nicht behaupten, dass ich besser bin, aber dann dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn wir uns einsam fühlen. Früher musste man sich treffen oder wenigstens noch telefonieren, hat häufiger zusammen Brettspiele gespielt und Ausflüge gemacht. Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, ich liebe die Möglichkeiten, die uns das Internet bietet. Ohne diese geniale Erfindung, könntest du das hier gerade gar nicht lesen und ich mich nicht mit euch austauschen. Aber wir müssen uns auch klar davon abgrenzen und dürfen nicht vergessen, unser richtiges Leben zu leben.

Kommen wir zu der am zweithäufigsten betroffenen Gruppe, den Rentnern. Hier gibt es mehrere Gründe, die dazu führen, wie der Verlust von Vertrauten, die leider bereits verstorben sind. Aber auch die ansteigende Altersarmut, die viele Menschen dazu zwingt, sehr sparsam zu leben und weniger unter Leute zu gehen, auch weil es den Betroffenen häufig unangenehm ist.  Außerdem führen eine erhöhte Scheidungsrate und geringe Anzahl an Kindern zu weiterer Abgeschiedenheit.

Einsamkeit überwältigen

Beispielsweise wird in großen Städten laut dem Kasseler Soziologen Dr. Janosch Schobin jeder zehnte Mann und jede zwanzigste Frau im Rentenalter von Ämtern bestattet, weil niemand da war, der sich darum kümmern konnte oder wollte. Diese Zahl hat mich unglaublich traurig gemacht und ich musste direkt an ein paar Leute denken, mit denen ich häufiger länger reden werde, wenn ich sie auf der Straße treffe. Natürlich ist das nur ein kleiner Teil und wenn ich wieder im Alltagstrott bin, vergesse ich das auch ganz leicht wieder, aber vielleicht ja auch nicht. Und jedes Lächeln, das mit einem anderen Menschen schenkt, jedes ehrlich interessierte Gespräch, das wir führen, kann so viel bewegen.

Was kann man also tun, um das Problem zu bekämpfen? In Großbritannien wurde sogar ein Einsamkeitsministerium gegründet, weil dem Thema so viel Bedeutung beigemessen wird. Dr. Schobin warnt davor, dass man die Leute zu ihrem Glück zwingen will, da sie sich in ihrer Einsamkeit einrichten würden. Er habe in verschiedenen Kulturen Interviews zu dem Thema geführt und festgestellt, dass es sich dabei in Deutschland um ein Tabuthema handelt, das die Leute beschämt. Viele Menschen trauen sich nicht, zu erzählen, dass sie einsam sind. In Lateinamerika beispielsweise, sei das aber völlig in Ordnung. Deutschland sei sehr rational, hier müsse man viel eher wieder funktionieren, nachdem zum Beispiel der Partner gestorben sei. Jeder hat hier Verständnis, wenn man trauert. Aber doch bitte alles in einem angemessenen Rahmen und danach höchstens noch verborgen. Das Leben muss doch weitergehen.

Einsamen Menschen helfen

Unter dem Strich brauchen wir mehr Verständnis für unterschiedliche Verhaltensweisen, schließlich sind wir keine Roboter, sondern Individuen. Woher kommt der Name denn? Weil wir alle individuell sind. Wenn da also jemand lange trauert, können wir der Person vielleicht nicht direkt helfen, aber wir können einfach Verständnis für ihre Lage haben. Wenn wir auf sie zugehen ohne einen Anspruch an sie zu haben, kann das schon viel bewegen. Diese Leute wollen nicht als krank betitelt werden und in Therapien gesteckt werden, sondern einfach in ihrem eigenen Tempo damit fertig werden. Damit will ich auch nicht sagen, dass wir alle Menschen, die sich einsam fühlen, damit allein lassen sollen. Aber das Angebot der Hilfe muss bei allen Menschen unterschiedlich und unaufdringlich geschehen.

Interessant ist übrigens auch der Einfluss von Tieren, den die Professorin Sandra Wesenberg untersucht. Haustiere können viele unserer sozialen Bedürfnisse erfüllen, manchmal sogar besser als Menschen. Beim Streicheln von Tieren werden nämlich Glückshormone ausgeschüttet und vielen Menschen fällt es leichter ihrem Tier von ihren Sorgen zu erzählen, weil es geduldiger zuhört und nicht urteilt. Eine Studie zeigt, dass ältere Menschen, die einen Wellensittich zur Pflege bekommen haben, anschließend häufiger soziale Kontakte hatten und auch häufiger von Freunden und Familie besucht wurden. Wer aber keine Tiere mag, sollte aber natürlich keines halten oder geschenkt bekommen. Wobei man Tiere eh nicht verschenken sollte, aber das ist eine andere Geschichte.

Tipps gegen Einsamkeit

Falls du dich auch häufig einsam fühlst, gibt es ein paar Dinge, die ich dir empfehlen würde. Wenn das häufiger vorkommt, solltest du aber einen Arzt oder Therapeuten aufsuchen. Als erste Ideen kann ich dir aber hoffentlich mit folgenden Tipps weiterhelfen:

  • Zunächst ist es wichtig, Einsamkeit als Gefühl zu betrachten, nicht als gegebenen Zustand. Ich fühle mich einsam, bin aber nicht einsam. Es ist keine Eigenschaft, sondern kann geändert werden, so wie Hunger, Müdigkeit oder Trauer.
  • Erzähle jemanden davon. Wenn sich das ganze nur in deinem Kopf abspielt, fühlst du dich noch isolierter, als du wirklich bist. Du wirst merken, dass schon das bloße Reden darüber reden sehr gut tut. Das gilt übrigens für alle Sorgen, die man hat. Selbst wenn die andere Person nicht viel dazu beitragen kann, tut es gut, sich das von der Seele zu reden. Und wer weiß, vielleicht hat sie ja auch einen tollen Tipp für dich.
  • Geh mal wieder an die frische Luft, am besten richtig in die Natur. Gerade in solchen Situationen muss ich mich dazu extrem aufraffen, aber habe es noch nie bereut. Schon während ich die ersten Schritte mache, fällt mir auf, wie viel kleiner mir meine Probleme plötzlich vorkommen.
  • Lächel häufiger andere Leute an, die Busfahrerin, den Verkäufer und schau ihnen dabei in die Augen. Den Tipp kannst du auch super mit dem letzten kombinieren.
  • Mach mal wieder Sport, es muss auch nicht unbedingt anstrengend sein. Ein bisschen Walking oder Yoga können auch schon gute Dienste leisten. Körperliche Betätigung hat einen sehr positiven Einfluss auf so viele Bereiche unseres Lebens. Ich bin leider auch viel zu häufig vermeintlich zu beschäftigt dafür, aber das ist nicht gut. Lieber häufiger mal kleine Einheiten, als die große nur ganz selten zu machen.
  • Ruf mal wieder jemanden an, statt nur zu schreiben. Über die Stimme werden so viel mehr Emotionen transportiert, man versteht sich nicht so schnell falsch und es kommt ein größeres Gefühl der Nähe auf.
  • Oder noch besser, triff dich mit der Person. Wenn es für keinen stressig sein soll und dennoch nichts kosten darf, dann könnt ihr einfach zusammen durch einen Park oder Wald spazieren. Dann kombiniert ihr das ganze gleich noch mit frischer Luft, Natur und Bewegung. Jackpot.
  • Das ist ja alles schön und gut, wirst du jetzt vielleicht sagen. Aber ich lese diesen Artikel über Einsamkeit ja nicht, weil ich so viele Freunde habe, die ich mal eben anrufen kann. Bei mir auf der Arbeit haben alle schon ihren festen Freundeskreis, da komme ich nicht mehr rein. Eine tolle Möglichkeit ist dann, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das hat den Vorteil, dass du dabei gleichzeitig andere Leute kennenlernst und deine Zeit sinnvoll verbringst.
  • Manche Leute können nicht gut alleine sein und fühlen sich schnell einsam ohne Partner, Familie und Freunde. Häufig liegt das auch daran, dass sie schlicht keine richtigen Hobbys haben, keine Tätigkeiten, die sie interessieren, man sieht halt fern oder scrollt durchs Internet. Das führt dazu, dass man sich selbst nicht die Bedeutung einräumt, die man verdient hat, man macht sich abhängig von anderen und fühl sich einsam, wenn die Leute keine Zeit haben.
  • Apropos abhängig machen, eine typische Eigenschaft von uns Menschen, ist unser Glück an äußere Umstände zu koppeln. Wenn ich endlich einen Freund habe, werde ich glücklich sein. Ich brauche dringend neue Klamotten, so fühle ich mich nicht mehr wohl. Mit der neuen Yogamatte, mache ich bestimmt wieder Sport. Es gibt scheinbar so viele Gründe, warum wir jetzt nicht glücklich sein können. Aber wenn wir endlich den Partner oder die neue Yogamatte haben, flaut die Euphorie auch schnell wieder ab und wir stehen vor den gleichen Sorgen. Das ist auch ein typisches Problem von Leuten, die auswandern. Bei vielen klappt das natürlich sehr gut, aber wenn man eigentlich vor sich selbst flüchtet, wird man schnell merken, dass man seine Probleme mitgenommen hat. Wie für so viele Dinge, ist also der erste Schritt, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist. Höre dazu unbedingt in Folge 3 über Selbstliebe rein.
  • Sicherlich kennst du das, wenn du in stressigen Zeiten mehr Süßigkeiten isst oder etwas ähnliches. Das hat natürlich den unangenehmen Effekt, dass es kein besonders gesunder Ausgleich ist, doch das Prinzip ist sehr gut. Probiere aus etwas Negativem ein positives Ritual zu machen. Du bist allein und fühlst dich einsam, magst aber gerne Wellness? Dann gönn dir doch jedes Mal ein heißes Bad, wenn das Gefühl aufkommt.
  • Sehr interessant finde ich auch, dass mittlerweile erforscht ist, dass uns Berührung gut tut. Du kannst zum Beispiel zur Massage gehen oder wenn es günstiger sein soll, eine Freundin oder einen Freund danach fragen. Ihr könnt euch ja abwechseln. Wenn du es ganz abgefahren magst, gibt es in manchen Städten auch schon Kuschelpartys, darüber kannst du dich mal informieren.
  • Manchmal bist du auch gar nicht einsam, sondern wegen irgendwas unzufrieden. Meditation kann dir dabei helfen, zu dir selbst zu finden und dein Inneres zu ergründen. Dafür gibt es mittlerweile viele kostenlose Apps, Podcasts und Videos bei YouTube.

Shownotes

 

2 Responses

  1. 123 sagt:

    Gefällt mir sehr gut, dieser Beitrag, da mich dieses Gefühl auch immer wieder einholt. Vielen lieben Dank dafür! <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.