Bist du egoistisch genug?

Bist du egoistisch genug?

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Bestimmt kennst du Situationen, in denen du dich egoistisch fühlst. Du fühlst dich schuldig, weil du lieber schnell eine Fertigpizza in den Ofen haust, statt gesund für deine Familie zu kochen, weil du vorgibst eine Migräne zu haben, um dir die Grillparty des Nachbarn zu sparen, weil du lieber mal wieder lesen würdest, statt einen Familienausflug zu machen. Täglich sind wir mit Situationen konfrontiert, in denen wir gerne anders handeln würden, als wir es tun. Dabei läuft häufig das gleiche Schema ab. Du wirst gebeten etwas zu tun oder eingeladen, gemeinsam mit anderen etwas zu unternehmen. Wahrscheinlich fallen dir direkt einige Dinge ein, die du lieber machen würdest oder sogar müsstest, weil die echt dringend mal erledigt werden müssten.

Vielleicht traust du dich sogar zunächst, einen kleinen Vorwand zu bringen, dass du eigentlich ja noch was zu tun hast. Doch dein Gesprächpartner weiß es natürlich besser und probiert dich zu überreden. Häufig fallen Aussagen wie „ach, das kannst du doch noch wann anders machen, das läuft dir schon nicht weg“ oder „du musst dir auch mal eine Pause gönnen, du kannst nicht die ganze Zeit arbeiten“ vielleicht geht es auch mehr in die vorwurfsvolle Ecke mit „du warst die letzten Male schon nicht dabei“ oder „die anderen kommen aber auch alle mit“.

Was auch immer die Person sagt, sehr wahrscheinlich bekommt sie dich damit an ihren Haken und du gibst nach. Wenn es anders ist, herzlichen Glückwunsch, aber dann wärst du wahrscheinlich nicht hier. Falls es dir aber doch mal gelingt, deinem Standpunkt treu zu bleiben und deine Meinung zu vertreten, fühlst du dich dabei etwas egoistisch. Du hast das Gefühl dauernd die Erwartungshaltung anderer nicht zu erfüllen und dir deine Freiräume jedes Mal mühselig zu erkämpfen. Der Freiraum, den du dir gerade geschaffen hast, ist nur von kurzer Dauer, weil schon bald die nächste Bitte um einen Gefallen oder ähnliches kommt. Du bist eigentlich völlig durchgetaktet und hast wenig Zeit für dich selbst.

Die Folgen, wenn du nicht an dich denkst

Wahrscheinlich merkst du auch, dass es dir nicht gut tut und dein Stresspegel immer höher steigt. Kleinigkeiten können dich völlig aus der Bahn werfen und du reagierst viel genervter, aggressiver, als es eigentlich deine Art ist. Dann bist du an einem Punkt, an dem du ganz dringend die Bremse ziehen solltest. Und zwar wirklich! Aber es wäre ja egoistisch von dir? Du kannst ja nicht nur an dich denken? Das verlangt ja auch niemand von dir und das kann auch gar nicht passieren, keine Sorge. Wenn du sonst immer wieder Rücksicht auf andere nimmst, obwohl du es gar nicht willst, gibt es kein Risiko, dass du plötzlich total egoistisch wirst und nur noch an dich denkst. Im Gegenteil denkst du langfristig an andere, indem du auf dich selbst Acht gibst. Dazu empfehle ich dir übrigens auch Folge 3, die sich mit dem Thema Selbstliebe befasst.

Wenn du immer am Rand der Erschöpfung bist und komplett fremdgesteuert lebst, gibst du dich selbst auf. Aber es gibt viele Menschen, die dich sehr gerne haben und brauchen. Denen ist nicht geholfen, wenn du immer Ja sagst und dann als apathische, gereizte Hülle ohne eigene Meinung Zeit mit ihnen verbringst. Vielleicht kennst du eine Situation, wo du das bei anderen erlebt hast.

Ein typisches Beispiel

Nennen wir unsere Beispielfigur Lena. Lena hat einen super vollen Terminkalender, aber wird aber spontan gefragt, ob sie ihrer Freundin Anna helfen kann, Kisten für einen Umzug zu packen. Eigentlich hat sie echt viel zu tun, aber sie will ihre Freundin ja auch nicht im Stich lassen, schließlich sind Umzüge ja wirklich nervig. Außerdem weiß sie ja, dass es nur begrenzt Zeit in Anspruch nimmt, irgendwann ist ja alles eingepackt. Also verspricht sie Anna, nach der Arbeit vorbeizukommen.

Als wäre es verhext dauert das letzte Meeting am Tag länger als geplant und Lena hetzt danach schnell zur Bahn, die natürlich völlig überfüllt ist. Und überhaupt – seit wann sind alle Menschen so rücksichtslos, laut und nervig? Als Lena ihre Wohnung betritt, um sich ganz kurz frisch zu machen, sieht sie den Stapel mit Rechnungen, die sie ja eigentlich schon längst hätte bezahlen wollen. „Ach Mist, mache ich später – ganz bestimmt.“

Kurze Zeit später kommt sie bei Anna an, die auf dem Sofa sitzt, sich die Fußnägel lackiert und Serien schaut. Vereinzelt stehen ein paar halb gefüllte Kartons rum, aber viel geschafft hat sie noch nicht. Dabei ist sie sogar Studentin und hatte bestimmt den ganzen Tag nichts zu tun, wie eigentlich alle Studenten. Was die für ein Leben haben, zu gerne hätte Lena das auch. Aber sie muss ja Geld verdienen und Dinge tun, die man als Erwachsene eben so tut.

Vielleicht merkt Anna sogar, dass Lena nicht gerade begeistert ist und bringt eine Entschuldigung hervor, vielleicht reagiert sie aber auch gar nicht. Sie beginnen die Kisten zu packen, wobei Lena immer wieder genervt ist, weil Anna so schlecht vorbereitet ist. Die unbezahlten Rechnungen und endlosen to-do-Listen im Kopf, fängt Lena an sich zu beeilen, wird hektisch und stößt sich den Kopf. Vor Schreck lässt sie dabei die Vase fallen, die sie gerade in der Hand hat. Anna meckert eigentlich gar nicht mit ihr, aber Lena fühlt sich so verurteilt, dass sie sie anpampt: „Immerhin bin ich überhaupt hier und helfe dir, ohne mich wärst du ja in drei Wochen noch nicht fertig.“

Spätestens jetzt hat Anna gemerkt, dass Lena schlecht drauf ist und kann die Situation nicht so richtig verstehen. Auch sie hatte einen stressigen Tag, weil sie den ganzen Tag an der Hausarbeit geschrieben hat, die unbedingt fertig werden muss. Trotz des anstehenden Umzuges hat sie morgen ein Bewerbungsgespräch, für das sie sich vorhin noch schnell die Nägel lackiert hat, damit niemand sieht, wie abgekaut ihre Nägel vor Stress sind. Auch wenn es ihr schwer fiel, weil sie immer alles alleine schaffen will, hat sie sich vorhin getraut und Lena um Hilfe gebeten. Die war aber leider die ganze Zeit schlecht drauf und hat dann auch noch ihre Lieblingsvase kaputt gemacht. Anna weiß ja, dass Lena auch viel um die Ohren hat und ist ihr ja auch dankbar für die Hilfe, weshalb sie nicht gemeckert hat. Doch als sie dann auch noch von Lena angepampt wird, ist es auch ihr zu viel und sie zickt zurück.

Na, kommt dir das bekannt vor? Situationen wie diese wirken von außen betrachtet immer ein bisschen lächerlich. Doch wenn du da drinsteckst, kannst du nicht mehr klar sehen und handelst impulsiv und gefühlsgesteuert. Manchmal hilft es das Prinzip zu erkennen, wenn man von außen auf ein Problem guckt. Deshalb wollte ich das mit dieser kleinen Geschichte mal ausprobieren. Mich würde sehr interessieren, wie dir das gefällt. Konntest du dich mit Lena oder Anna identifizieren? Hat es dir geholfen, das Problem mit etwas Abstand zu betrachten? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar dazu auf meinen Social Media Kanälen, in meiner Facebookgruppe oder als Bewertung in iTunes. Ich möchte den Podcast gerne so spannend und hilfreich wie möglich für dich gestalten und bin immer über jedes Feedback dankbar.

Sei egoistischer

Kommen wir zurück zu Lena und Anna. Was meinst du, warum sich die beiden so verhalten? Ganz genau, weil sie über einen längeren Zeitpunkt nicht darauf gehört haben, was sie brauchen und was ihnen gut tut. Stattdessen haben sie immer wieder die Erwartungen anderer erfüllt und nicht das gemacht, was ihnen ihr Herz sagt. Weil das ja viel zu egoistisch gewesen wäre, wenn Lena ihrer Freundin, die Hilfe braucht, absagt. Oder etwas nicht? Aber hat sie ihr denn so mehr geholfen? Annas Lieblingsvase ist kaputt und sie hat sich mit Lena angezickt, super Tag, wirklich.

Wenn beide lernen würden, hin und wieder nein zu sagen und sich Zeit für sich selbst zu blocken, in der sie keine to-do-Listen abarbeiten, sondern das machen, was ihnen ihr Herz sagt, wären sie in einer wesentlich entspannteren Grundstimmung. Vielleicht ist dir der Unterschied bekannt, wenn du an deinen Urlaub denkst. Direkt vor dem Urlaub ist man meist sehr angespannt, weil es lange her ist, dass man das letzte Mal frei hatte. Zusätzlich will man einiges Privat und auf der Arbeit fertig bekommen, damit man mit einem guten Gefühl in den Urlaub kann. Wenn jetzt etwas passiert, hat man meist einen extrem kurzen Geduldsfaden so wie Lena.

Am Ende des Urlaubs, vorausgesetzt dieser war nicht von vorne bis hinten durchgetaktet, sieht man alles viel entspannter und gelassener. Na und, dann hat man die Bahn eben verpasst und wartet zehn Minuten auf die nächste. Die Lieblingsschokolade ist alle? Egal, dann probiert man halt mal eine neue Sorte. Was auch immer passiert, es wirft dich nicht gleich aus der Bahn. Die Beispiele habe ich auch gerade bewusst klein und eigentlich unwichtig gewählt, weil es immer erstaunlich ist, was uns alles extrem nervt, wenn wir in einer angespannten Grundstimmung ist. Nicht umsonst hört man immer wieder Geschichten von Brautpaaren, die so darauf fokussiert sind, DIE perfekte Hochzeit zu veranstalten, dass sie am eigentlichen Tag bei der geringsten Abweichung vom Plan, total hysterisch werden. Glaubst du das ist dann eine tolle Party für die Gäste?

Also nein, es ist nicht egoistisch an sich selbst und seine Bedürfnisse zu denken. Erstens ist es absolut normal und wichtig und zweitens, denkst du dabei langfristig sogar sehr an andere. Denn wie dir die Beispiele gezeigt haben dürften, nützt es niemanden etwas, wenn du gestresst bist.

Meine Tipps für dein egoistischeres Ich

Im Folgenden gebe ich dir noch ein paar Tipps, wie es dir leichter fällt, deine Meinung zu vertreten.

  1. Horche tief in dich hinein, was du wirklich willst. Ich stelle mir dazu immer die Frage, ob ich das gerade auch machen würde, wenn ich absagen könnte und zu 100% sicher wüsste, dass die Person nicht sauer wäre. Häufig merke ich dann, wie mir ein Stein vom Herzen fällt und ich mich viel leichter fühle, bei der bloßen Vorstellung nicht Ja zu sagen.
  2. Du selbst weißt am besten, was richtig für dich ist. Dazu empfehle ich dir Folge xx, in der ich über die Meinung anderer rede.
  3. Finde keine Ausreden, wenn du anderen absagst, sondern kommuniziere ehrlich, dass du Zeit für dich brauchst. Gib den Leuten ein bisschen Zeit sich daran zu gewöhnen, wenn du dich vorher immer hast überreden lassen. Die meisten werden es gut finden und vielleicht sogar selber etwas bei sich ändern. Wer auf Dauer damit nicht klar kommt, tut dir nicht gut und hat in deinem Leben auch nichts zu suchen. Klingt hart? Aber ich meine hey, was muss das für eine Person sein, die nicht versteht, dass du keine Maschine bist und auch mal Zeit für dich brauchst? Klingt ziemlich egoistisch…
  4. Erstelle einen festen Blocker, in dem du dir nie was vornimmst.

Ich hoffe sehr dir einen kleinen Impuls mitgegeben zu haben, der dich nachhaltig beeinflusst. Ein gewisses Maß an Egoismus, ist absolut nötig, damit du selbst zufrieden bist und für andere eine Person sein kannst, die ihnen wirklich weiterhilft.

Lasse mich gerne wissen, was du davon hältst. Das kannst du gerne als öffentlichen Kommentar machen oder komm in meine Facebookgruppe Team Wunderbar, in der sich ganz wunderbare Menschen austauschen und gegenseitig unterstützten. Denn im Grunde haben wir alle die gleichen Probleme und Sorgen und zusammen können wir so viel erreichen. Es ist mir eine absolute Herzensangelegenheit dich dabei zu unterstützen, so zu sein, wie du wirklich sein möchtest. Wahrscheinlich ist das eine Reise, die niemals abgeschlossen ist. Auch ich habe noch viele Dinge, die ich gerne anders machen würde, bei denen ich in alte Verhaltensmuster verfalle und mich selbst limitiere. Doch ich bin überzeugt, dass wir alles erreichen können, was wir uns vornehmen, wenn wir aktiv dafür etwas tun. Lass und diese Reise zusammen antreten und uns gegenseitig unterstützen.

Shownotes

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4 Responses

  1. niels st sagt:

    Hervorragender Beitrag und einen wirklich schönen Blog hast du hier! Ich werde sicherlich öfter mal vorbeischauen! 🙂

  2. Monica Martek sagt:

    This is something I struggle with a lot. It is hard for me to be honest, and just say no. Instead I feel I must have good reasons, and I often apologize so much for not being able to fulfil social obligations. Thank you for writing this, I will try and be braver, and communicate my needs. And you’re right, your real friends will stick by your decisions. 🙂

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